LeChucks Kaperfahrt

Fahrradreise & Reise - Blog

Von Xanten aus ging es zur Fähre nach Rees, die zu dieser frühen Stunde nicht fuhr! Also wurde die Route weiterhin linksrheinisch gefahren, Ansage nach Komoot. Diese Komoot Stimme nervt in ihrer Frequenz doch so langsam. Nach Kleve – das mich mit seinen gigantischen gothischen (?) Bauwerken auch angenehm überraschte, langsam musste ich lachen, dass ich den Neusser Yachthafen gestern so toll fand… – nach einem Berg(!) und der folgenden Abfahrt enterte ich die Niederlande. In Nimwegen wurden direkt die Vorräte aufgefüllt:

Gegessen wird fortan „Tonys Schokolade“ – Sorte: Weiße Schokolade mit Himbeer-Knallzucker, dazu ein halber Liter Chocomel und Vla „Vanille-Schoko“-Geschmack. Diese durchaus energiereiche, doch sicher nährstoffarme Nahrung ergänzte ich mit Multi-Vatmin und Multi-Mineral Tabletten, die in den Weiten der Fahrradflasche aufgelöst wurden.

Ob es an der energiereichen Nahrung, den gut ausgebauten Radwegen oder der klaren Beschilderung liegt: Die Durchschnittsgeschwindigkeit erhöhte sich mit dem Passieren der holländischen Grenze merklich! Fahrräder sind auf ihren Wegen vorberechtigt, d.h. Autos – wenn überhaupt – nur Gast. So fuhr es sich auf dem Rheindeich super, vorbei an Kühen, Wiesen und Windmühlen durch Gelderland bis nach Utrecht. Aufgrund des doch sehr wechselhaften Wetters nehme ich mir ein Hotel am Stadtrand, das Zimmer ist nett kolonial eingerichtet. Prima! Von Utrecht sehe ich dann wenig, ich war kurz in der Stadt, musste mich erst an die Menschenmassen gewöhnen, die alle keine Maske trugen. Mit der Zeit ging es aber und tatsächlich stellte sich ein Gefühl von Normalität ein. Sicher wäre es vernünftiger die Maske in dichten Aufläufen zu tragen oder auch in Supermärkten, um Corona einzudämmen. Andererseits war es dann für mich als Geimpften nach einiger Zeit auch ein wirklich „wohliges“ Gefühl „wie früher“, ohne Maske und beschlagene Brille, durch die „Albert-Heijn“ Supermärkte zu stiefeln. Nun gut, in Utrecht bin ich noch nicht so weit, zudem wird mein Gefühl des Unbehagens durch das erneute Einsetzen eines Platzregens verstärkt.

Tags drauf geht es dann weiter in Richtung Den Haag. Zu Beginn regnet es in Strömen! Das nervt schon. Ich fahre auf dieser Tour gefühlt mehr Kilometer bei Regen Fahrrad als in den 42 Jahren zuvor. Auf dem Weg wärme ich mich im beschaulichen Gouda (Reisetip!) etwas auf – Kaffee – Hummus – Brot. Recht bald komme ich dann an meinem Hotel in Rijswijk an. Das liegt zwischen den Städten Den Haag und Delft. Dort kommt dann zum Glück die Sonne raus. Da hat dann auch die Erkundungstour durch Delft (schöne Stadt, wer beschauliche Grachten und niederländische Altstadt mag, sollte hier mal ein paar Tage verbringen, Den Haag, Scheveningen (Hallo Meer), durch die Dünen nach Katwijk, durch Leiden wieder nach Rijswijk, wieder mehr Spaß bereitet. Für eine nachmittägliche Ausfahrt mit dem Rad sind weitere 80km schon ganz ordentlich.

Tags drauf geht es nach Haarlem. Die Fahrt von Scheveningen nach Zandvoort gehört zu dem Schönsten, was mir als Strecke bisher vor die Pedale gekommen ist! Unendlich lange Dünen, teilweise mit Seeblick und in den Dünen kein großartiger Wind. Das Hotel in Haarlem löst als Highlight meine bisher schlimmste Übernachtungsmöglichkeit ab – ein frisch gestrichenes Hostelzimmer ohne Fenster oder ausreichende Belüftung in Manhattan. In Haarlem handelt es sich bei dem Hotel um Zimmer über einer koreanischen Garküche. Mein Kram bleibt also in den bisher top-wasserdichten Taschen. Hoffentlich diffundiert das Fett in der Luft nicht in die Radtaschen! Auch wegen der anderen Gäste, die vielleicht 15 Jahre jünger sind als ich, aber aufgrund ihres ungesunden Lebenswandels 30 Jahre älter (als ich) aussehen, trage ich nachts FFP2 Maske und weiterhin meine Radklamotten. Das Bad benutze ich mal lieber nicht, wer weiss mit was man sich da so anstecken kann.

Morgens geht es dann im Regen nach Enkhuizen, wo ich mit Irene und Maria, zwei niederländischen Kolleginnen aus einem Erasmus Projekt, zum Abendessen verabredet bin. Da meine Schlafgelegenheit nicht so der Knaller ist, starte ich sehr früh (ca. 6.00?), Nachteil des Frühaufstehens ist – auch beim Zelten bin ich ähnlich früh wach und irgendwie ist es auch ganz cool bereits im frühen Nachmittag die Etappe gefahren zu sein -, dass Fähren oft erst später fahren, als sie benötigt werden. Nun gut, kurz vor „De Rijp“ endet der Radweg mal wieder an einem Kai, witzigerweise kann man zum anderen Ufer spucken (geht ohne Maske, sorgt seit Corona dennoch möglicherweise für Irritationen), eine Fähre sehe ich jedoch nicht. Als ich mich abwende, ruft mir ein Mann auf einem kleinen, blauen Boot etwas auf Holländisch zu. Nun gut, er ist der Fährmann und das kleine blaue Boot die Fähre.
Aufgrund der geringen Fläche der Niederlande (und meiner Aufstehgewohnheiten) ist die Etappe eigentlich dann gegen 10.00 morgens auch beendet: Ich sitze in Hoorn am Marktplatz im „D’Oude Waegh“ – einem Restaurant in dem wir beim Erasmus Treffen vor Einsetzen der Pandemie mehrfach waren – genieße diverse Cappuccini und versuche – angesichts des noch langen Tages – zum Friseur zu gehen. Diese Unternehmung bleibt jedoch nicht von Erfolg gekrönt, denn alle von mir besuchten Friseure Hoorns sind ausgebucht. Über den Damm geht es dann die letzten 30 km nach Enkhuizen, wo ich endlich wieder mein Zelt aufbauen kann und vor allem: Duschen! Enkhuizen gefällt mir auch richtig gut, Irene erzählt mir, dass Enkhuizen lange Zeit der erste Hafen war, der Kolonialwaren aufgenommen hat und erst die Ansiedlung von jüdischen Diamantenhändlern in Amsterdam dazu führte, dass Amsterdam ein wichtigerer Hafen wurde. Als Geschichtslehrer vermute ich, dass die Ansiedlung von Juden in Amsterdam eine Folge von Vertreibungen im Zuge des 30jährigen Krieges ist, werde das daheim aber nochmals recherchieren. Nach einem herrlichen Burger stelle ich auf dem Zeltplatz fest, dass die Zeitfenster, in denen ich mich sicher fortbewegen kann, fortan eingeschränkt sind: Mein Brillenetui mit einer (zum Glück alten) „normalen“ Brille habe ich durch Tragen in einer Kapuzenpullitasche verloren! Wozu sind diese Taschen überhaupt gut, außer um Zeug zu verlieren… Ab jetzt trage ich bei Wind und Wetter meine zum Glück nicht so dunkele Sonnenbrille, was sicherlich in der ein oder anderen Situation zu einer deutlich weniger seriösen Bewertung meiner Person durch die Umwelt führen wird und auch dazu, dass ich bei einsetzender Dunkelheit in meinem Zimmer bzw. bei meinem Zelt sein sollte.

Bei strahlendem Sonnenschein geht es über den Ijselmeerdam nach Lelystad. Monatelang war der Fahrradweg gesperrt, überraschenderweise ist er offen, ich wollte eigentlich mit der Fähre nach Stavoren fahren – hätte aber eh kein TIcket bekommen, die sollte man einige Zeit im Voraus buchen. Ich habe es drei Tage zuvor versucht und da schon kein Ticket mehr bekommen. Von Lelystad führt mich mein Weg nach Kampen, wo ich in einem französischen Café nett mit der Wirtin plaudere, die vor allem Französisch spricht. (BILD VOM CAFÉ-Aaaargh, gelöscht…) Der Preis für den besten Cappucino der Tour geht jedenfalls an das kleine Café in einer Seitengasse zum Marktplatz. Der Name des Cafés ist mir leider entfallen. Ich durchquere dann Zwolle und die Provinz Geldern. Mir fällt hier besonders verstärkt auf, dass die Niderlande einfach „schön angelegt“ ist. Ich weiss nicht genau, welche Regionen durch Entwässerung dem Wasser entzogen wurden, vielleicht führen diese großen Mühen, Land zu gewinnen, aber auch dazu, dass man das gewonnene Land besonders hübsch macht. Vorbei an Grachten, Chateaus und unendlich vielen Campingplätzen lande ich irgendwann in Hardenberg, kurz vor der deutschen Grenze. Eigentlich will ich bis ins Emsland fahren, bin aber nach 135km doch irgendwie total platt und beschließe noch eine Nacht in Hardenberg zu bleiben. Am nächsten morgen reise ich an der Grenze (1km vom Campingplatz) ein und werde argwöhnisch von Bullen, Kühen und Schweinen beobachtet. Tierzucht scheint im flachen Emsland ebenso wie Maisanbau ein Steckenpferd zu sein. Via Dortmund-Ems-Kanal geht es nach Meppen, wo die geliebte Eintracht mal 6:1 im DfB Pokal unterging. Auch viele weitere Gründe sprechen dafür diese doch recht unschöne Stadt rasch wieder zu verlassen. Ich campe am Thülsfelder Stausee, den mir GoogleMaps als größtes Gewässer in der erreichbaren Gegend auswies. Meinen Traum mich mit einem Sprung (in Radklamotten) ins kühle Wasser abzukühlen und die mittlerweile doch recht unangenehm riechenden Funktionsklamotten zu waschen, lässt sich dann nicht realisieren: Beim Umfahren des Sees stelle ich fest, dass nirgends gebadet wird, trotz passenden Wetters. Ich frage nicht weiter nach, übernachte im Zelt und fahre am nächsten Tag in Richtung Zeven weiter. Das Land bleibt platt. Abends werde ich von Henk lecker begrillt. Ein schöner Abend in Gieße… Aeh, Zeven!
Parallel beschließe ich wegen des miesen Wetters in der kommenden Woche Sylt zu skippen und die Tour morgen in Hamburg zu beenden. In Hamburg komme ich nach einer Fährüberfahrt gegen Mittag am Fischmarkt an. 1565km, jetzt noch ein paar Tage in Hamburg bei Kai und dann heim!

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